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TÜV- Bericht

Wir haben heute den Auftrag, eine Hauptuntersuchung an einem Oldtimer durchzuführen. Hier soll ein altes Vehikel geparkt sein, amtliches Kennzeichen:

SE – WS 65 OT

Bevor ich mit der Untersuchung beginne, möchte ich Ihnen einiges aus der Chronik dieses Oldtimers vorlesen:

Es handelt sich hier, wie unschwer zu erkennen ist, um ein Modell der Extraklasse aus dem Jahr 1944. In Arbeit gegangen ist dieser Oldie schon 9 Monate früher. Aber da er mit viel Liebe produziert wurde, dauerte es bis zum 11.07.1944, ehe er vom Band laufen konnte.

Dieser Oldie kommt aus keiner Serienproduktion. Hergestellt wurde er wahrscheinlich in Grafenwöhr und ist der Baureihe Schaffner zuzuordnen. Er ist eine maßgerechte und besondere Einzelanfertigung, ein so genanntes Unikat.

Er hat zunächst einige Zeit - so etwa 18 Jahre - in verschiedenen Orten in Österreich und Deutschland gestanden, ehe er das erste mal zugelassen wurde. Dann fuhren einige Interessenten zu Probe, bevor er einer gewissen Vevi Hesch so gefiel, dass diese ihn im Jahre 1967 gekauft hat. Der Kaufpreis ist leider nicht bekannt, aber er war nicht billig, denn es sollte ja eine Anschaffung fürs ganze Leben sein.

Es kann nicht übersehen werden, dass er nicht nur zum Vergnügen gefahren wurde, sondern unter härtesten Bedingungen getestet wurde. Solche Art von Benutzung hat natürlich unübersehbare Spuren hinterlassen. Der Fahrer hat diesen Oldie nie geschont und das Letzte aus ihm herausgeholt.

Wenn wir uns das Modell heute so ansehen, ist der optische Eindruck, trotz einiger Kratzer im Lack, doch recht positiv.

Insgesamt vermittelt der Oldie Solidarität und Zuverlässigkeit.

So, nun beginnen wir mit der technischen Prüfung:

Prüfpunkt 1:

Am Rahmen sind wohl einige Materialermüdungserscheinungen festzustellen, die sich jedoch noch in Grenzen halten.

Prüfpunkt 2:

Die Stoßdämpfer sind dagegen stark abgenutzt. Deshalb ist ein Befahren holpriger Landstraßen nicht immer erlaubt. Um das Gefährt sicher zu lenken, bedarf es seitens des Fahrers, liebe Vevi , ab und zu größerer Kraftanstrengungen, weil er wegen der ausgeschlagenen Achsschenkelbolzen nicht immer in der Lage ist, die Spur zu halten.

Prüfpunkt 3:

Tank und Verbrauch

Den Tiger im Tank braucht er nicht, denn er kann wahlweise mit Bier oder Schnaps aufgefüllt werden. Er liegt im Verbrauch etwas über der DIN-Norm, wobei er erstaunlicherweise im Ruhestand viel mehr schluckt, als im Stadt- oder Landstraßenverkehr, so genannter Arbeitsverkehr.

Prüfpunkt 4:

Motor

Na ja, der Motor läuft noch ganz regelmäßig auf allen Zylindern.

Prüfpunkt 5:

Scheiben

Die Scheiben sind nicht mehr ganz klar, schon etwas trübe. Dieses Manko lässt sich aber mit Hilfe optischer Geräte leicht ausgleichen.

Prüfpunkt 6:

Der Auspuff, wie sieht's damit aus?

O.K., der Auspuff gibt kaum Anlass zu Beanstandungen. Das Endstück ist zwar etwas rostig, aber der Einbau eines Kat's erscheint nicht notwendig.

Prüfergebnis:

Zusammenfassend kommen wir zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Oldtimer um einen gut gepflegten Garagenwagen handelt.

Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters weist er wohl einige kleinere Mängel auf, die jedoch nicht so gravierend sind, als das man ihm eine weitere Teilnahme am Verkehr verweigern müsste.

Wir freuen uns deshalb, Vevi Schaffner, Ihnen die Betriebserlaubnis für weitere 10 Jahre aushändigen zu können.

Der nächste Vorführungstermin beim TÜV zur Hauptuntersuchung ist also der 11.07.2019, den der Oldie selbstständig wahrzunehmen hat.

Die heutige Untersuchung ist ausnahmsweise gebührenfrei, der Prüfer und seine Mitarbeiter nehmen aber gerne nach getaner Arbeit an der heutigen Gemeinschaftsverpflegung teil. Zu dieser erfolgreichen Abnahme gratulieren dir Deine Kinder und hoffen, dass unser Oldie noch lange läuft!

Tagesbilanz

"Beurteile einen Tag nicht danach, welche Ernte du am Abend eingefahren hast, sondern danach, welche Samen du gesät hast"

(Robert Louis Stevenson)

Nicht jeder Tag ist ein Tag der Ernte.

Wenn ich am Abend auf meinen Tag schaue, dann ist es mir nicht wichtig, wieviel Erfolge ich vorzuweisen habe. Es ist mir wichtig, dass ich bewusst gelebt habe.

Wenn ein Gespräch gelungen ist, wenn ich einen gebeugten Menschen aufgerichtet habe, wenn ich ganz bei dem war, was ich getan habe, dann bin ich dankbar. Aber ich weiß, dass das Gespräch kein endgültiges Resultat ergeben hat, dass der Aufgerichtete sich wieder beugen wird, sobald die nächste Krise kommt. Es ist keine Ernte, die ich in die Scheune einbringen kann. Es ist Samen, den ich gesät habe.

Ich bin schon dankbar, wenn ich meine urpersönliche Spur in der Welt hinterlassen habe. Und das geschieht immer dann, wenn ich ganz in dem bin, was ich sage und tue, wenn ich präsent bin in der Begegnung, wenn ich das Leben wahrnehme, wie es ist.

Alles, was bewusst geschieht, hinterlässt Spuren. Und in diesen Spuren wird ein Same ausgesät, der irgendwann einmal aufgehen wird in den Herzen der Menschen, denen ich begegnet bin, zu denen ich geprochen, für dich ich gearbeitet und mich eingesetzt habe.

 

Mama, Wolfgang, Barbara und Gudrun

Fotograf Rußkäfer Steyr

 

"Wenn Du jemanden hast, der Dich liebt, kann Dein Haus einstürzen,
und immer noch hättest Du ein Zuhause."

Dein Zuhause sind wir.

Deine Kinder.

Wir haben Dich lieb!

....mehr über Papas Berufsleben!

....das Märchen von der Traurigkeit!

*

Links:

 

Volvo Freunde

Feierabend.com

Lebensphasen.net

50 plus

*

Wolfgang Schaffner  und Wolfgang Schaffner junior am 10. Juli 2004

 

"Wenn ich mein Leben noch

einmal leben könnte, im nächsten Leben,

würde ich versuchen, mehr Fehler zu

machen. Ich würde nicht mehr so perfekt

sein wollen, ich würde mich mehr

entspannen. Ich wäre ein bisschen

verrückter, als ich es gewesen bin, ich

würde viel weniger Dinge so ernst

nehmen. Ich würde mehr riskieren, würde

mehr reisen, Sonnenuntergänge

betrachten, mehr bergsteigen, mehr in

Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,

die jede Minute ihres Lebens fruchtbar

verbrachten; freilich hatte ich auch

Momente der Freude, aber wenn ich noch

einmal anfangen könnte, würde ich

versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu

haben. Falls du es noch nicht weisst, aus

diesen besteht nämlich das Leben; nur

aus Augenblicken; vergiss nicht den

jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,

würde ich von Frühlingsbeginn bis in den

Spätherbst hinein barfuss gehen. Und ich

würde mehr mit Kindern spielen, wenn

ich das Leben vor mir hätte.

Jorge Luis Borges

 

Vielen Dank an dieser Stelle an Onkel Wilfried
für die Bereitstellung
vieler Daten, Fotos, Geschichten und Lebensläufe!

*

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