Papa`s "Zweites Leben"
Papa litt, glaube ich seit seiner Jugendzeit an einem Magengeschwür. Wir alle konnten mitverfolgen, wie es Papa immer schlechter ging. Eines Tages war ich bei unserem Hausarzt, als ich ging, sagte dieser zu mir: " Vielleicht kannst Du Deinen Vater überreden, sich einmal untersuchen zu lassen. Wenn ich ihn im Lastwagen vorbeifahren sehe, denke ich es fährt der Tod herum!!". Das gab mir schwer zu denken, und ich traute es natürlich zu Hause nicht zu erzählen. Sorgen um ihn machten wir uns sowieso schon genug, also schockte mich diese Aussage des Arztes nicht viel mehr. Außerdem hätte es nichts gebracht, Papa wirklich zum Doktor zu schicken, er wäre freiwillig sowieso nie hingegangen. " Bevor ich in ein Spittal gehe, bring ich mich lieber um!", sagte er mal vor langer Zeit............!!!!

 

"geb. am 17.10.1995"

Am 17. Oktober 1995 war ich mit meiner Tochter, Sophie, auf Urlaub in Weyer. Wir kommen leider nicht mehr allzu oft nach Weyer, da wir in Salzburg wohnen und die Arbeit es nicht zuläßt. Papa vermisste uns, glaube ich schon immer ein bißchen, auch heute noch.
Aber an diesem Tag, als Papa schon nach zwei Stunden vom Arbeiten wieder zurück kam und ich beim Öffnen der Haustür schon merkte, daß es Ihm sehr schlecht ging, war ich zuhause. Sophie schlief noch und Mama war nicht da. Wolfgang und Barbara waren in der Schule.

Um auch mich selber ein bißchen zu beruhigen, fragte ich ihn, ob er die Ruhr erwischt hätte, die damals in Weyer umher ging.

Papa sagte gar nichts und legte sich auf die Couch. Ich machte ihm einen Tee, den ich mit zitternden Händen zubereitete, weil ich Papa vor Schmerz wimmern hörte. Es wurde nicht besser, sondern immer schlimmer. Papa verlangte nur nach Mama. Ich wußte mir gar nicht mehr zu helfen, Mama konnte ich nicht erreichen, ich rief Dr. Wolfgang Stieger an und beschrieb ihm Papas Symptome.

Er konnte leider nicht kommen, weil er sein Wartezimmer voll hatte, ihm schien es nicht so dringend , denn er orderte mich zu Ihm, um ein Rezept für Tabletten zu holen. Warum ich nicht gleich die Rettung verständigte, geht mir heute noch nicht in den Kopf.
Ich fuhr gleich darauf los, erst zum Doktor, mußte noch eine Zeit lang auf das Rezept warten, dann zur Apotheke.... Als ich auf unser Haus zukam, hörte ich Papa schon. Ich gab ihm nochmals einen Tee und die mitgebrachten Tabletten gegen eine Magenverstimmung und bemühte mich irgendwie Mama zu erreichen.


Als sie dann endlich eintraf, flehte Papa schon nach Hilfe.


Nach einem nochmaligen Anruf von Mama beim Doktor, kam er dann auch ganz schnell zu uns ins Haus. Es schien dann doch was Ernsteres zu sein. Ich weiß nicht wieviele Zigaretten ich geraucht habe in den 3 Stunden bis der Arzt endlich Papa wegen einer Blinddarmentzündung von der Rettung abholen ließ.


Ich mußte immer an die Aussage vom Doktor denken, die er mir damals in seiner Praxis sagte. Ich war direkt ein bißchen erleichtert, da es nur der Blinddarm war. Nur unter Anführungszeichen, denn auch Mama sollte es 8 Jahre später nach einem Blinddarmdurchbruch grad halt noch schaffen, aber das ist eine andere Geschichte.....

Trotzdem hatte ich nur einen Gedanken im Kopf, wenn Papa jetzt ins Krankenhaus käme, dann werden sie ihn nicht mehr gehen lassen. Da er sich nie untersuchen ließ, und auch nicht gerade gesund lebte (3 Pkg. Zigarretten am Tag) war ich mir ziemlich sicher, daß sie bei ihm irgendeinen Krebs finden würden.


Nein es kam ganz anders.


Papa hatte keine Blinddarmentzündung, die Ärtze untersuchten ihn noch 2-3 Stunden bis sie endlich wußten, was ihm fehlte.

Er hatte einen Magendurchbruch.


Sie sagten die Tabletten und der Tee sind schon außerhalb des Magens herumgeschwommen. (Ich machte mir darüber natürlich Vorwürfe)


Ich bin mit Sophie dann gleich nach Waidhofen ins Krankenhaus gefahren, Mama war schon vorher mit Papa in der Rettung mitgefahren, wir sahen ihn dann noch vor der Operation und ich hatte furchtbare Angst ihn zu verlieren.

Außerdem mußte ich nächsten Tag wieder nach Salzburg fahren um zu arbeiten. Ich war mir klar darüber, daß es das letzte Mal sein könnte, daß ich ihn sehe. Mit schweren Herzen überließen wir ihn dann den Ärzten. Nur sie konnten jetzt noch sein Leben retten.
Es war höchste Zeit, denn ein Magendurchbruch muß nach 6 Stunden operiert werden, habe ich später gelesen.


Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Das nächste Mal sah ich Papa dann auf der Intensivstation, er hatte überall Schläuche und einen dicken auch durch den Mund in den Magen. Es war schrecklich ihn so liegen zu sehen, aber ich war froh, daß es gut gegangen war.

Ich zitterte trotzdem noch vor der Diagnose. Welche Krankheiten eben zum Vorschein kamen - aber zu unserer großen Freude, haben sie keinen Krebs gefunden. Auch sonst nichts, er hatte sogar ganz gute Werte. Mir ist im wahrsten Sinne des Wortes, ein Stein vom Herzen gefallen. Bis 24. Oktober 1995 ist Papa noch auf der Überwachung gelegen und dann am 30. Oktober 1995 nach Hause entlassen worden. Bis heute hat er keine mehr geraucht.

Autor:
Tochter Gudrun

Papa mit Tochter Gudrun 1973

Vielen Dank an dieser Stelle:

Chirurgen:

Prim. Dr. Haiden
Dr. Freudenthaler
Dr. Parrago

Narkose:

Dr. Rogenhofer
Dr. Pillgrab
Instr. Sr. Lisa

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Papa in Mauterndorf im August 1990 Papa 1963 Papa mit Gudrun September 2003 Papa im Mai 1993 bei seiner Mutter im Garten